Fant Wenger kann ein äusserst weit gefächertes Werk vorweisen.  Es reicht von Malerei  über Installationen, Videos bis Skulpturen und Kunst am Bau. Der Künstler hat ein feines Gespür einerseits für seine Umwelt, für Geschichte und gesellschaftlich wie politisch relevante Themen. Andererseits setzt er sich in seinen Arbeiten mit der Frage auseinander, was Kunst ist und welche Eigenschaften sie ausmachen.  Wenger arbeitet jeweils in einem Medium sehr intensiv - seit 2016 steht die Malerei wieder im Vordergrund. Sie bietet ihm die grösste Freiheit des Ausdrucks. Zunehmend benutzt er kräftige Farben, denn damit kann er für den Betrachter weitere Sinn- oder Assoziationsebenen ins Bild bringen. Immer jedoch lässt er dem Betrachter viel Spielraum, um eigene Interpretationen aus einem Bild heraus zu entwickeln. 

Zur Malerei hat er über die Collage in Mischtechnik gefunden. In den Collagen arbeitet er mit Landschaftsbildern, in die er Karten und Schnittmuster einarbeitet. Die Arbeitsweise spiegelt Wengers Faszination für historische Atlanten und Kartenwerke. In Transferdruck-Technik werden die Bilder schichtweise aufgebaut. Die oft fast monochrom gehaltenen Sujets  thematisieren die Denkmuster und Vorgehensweisen, wie der Mensch Landschaft vermisst, zu seinen Zwecken umgestaltet und in Besitz nimmt. Die Collagen sind "Mindmaps" des gesellschaftlichen Besitzanspruches über die Natur. 

Während seiner Arbeit an den Collagen entdeckte der Künstler das Potenzial der freien Malerei Sie bot ihm mehr Freiheit im Ausdruck und sie setzte ihm bezüglich des Bildformates keine Grenzen. So entstanden mit der Zeit grossformatige Arbeiten, auf denen er Bildelemente frei komponieren konnte. 

Gerade die Frage, was Kunst überhaupt ist, lässt ihn oft sinnend und lange Zeit vor einer Arbeit verharren.  Die Kompositionen sind nicht spontan, sondern von langer Hand erdacht und entwickelt. Oft geht Fant Wenger von Fotografien aus, auch von historischen Fotografien, die Erinnerungen an so ikonische Objekte wie den Sputnik festhalten. 

Die Bilder erzählen keine linearen Geschichten, dennoch herrscht eine geheimnisvolle Bewegung darin. Diese entsteht, weil der Künstler seine Bilder inhaltlich zwischen Polen oder Extremen aufbaut, beispielsweise zwischen Natur und Kultur. Erst zwischen den Polen, die sich anziehen und abstossen, entsteht ein Spanungsfeld mit Bewegung. 

In der Konstruktion des Spannungsfeldes erfährt man auch die Reflexion über die Frage, was Kunst sei. Das Bild einer Muse ist aufschlussreich, denn die Kunst entsteht nicht nur aus der Subjektivität, sondern ist auch Eingabe von aussen. Ein Kunstverständnis, das tief in der Vorstellungswelt der Antike verankert ist und die romantische Vorstellung des ganz aus seinem Gefühl heraus arbeitenden Künstlers hinter sich lässt. 

Der Mensch ist das jüngste Element in Wengers Arbeiten. Lange kam der Künstler ohne Mensch aus, allenfalls thematisierte er, was der Mensch anrichtet mit seiner Umwelt. Dabei steht Wenger dem Menschen keineswegs ablehnend gegenüber, engagiert er sich doch in der Jugendarbeit und sucht er auf seinen vielen Reisen den Kontakt zu unterschiedlichsten Persönlichkeiten. Er hat Lust auf Menschen, begründet er seine Faszination.

Text; Christina Peege, Kunstkritikerin